Allgemein Brot backen

Gastbreitrag: Fladenbrot an der Ofenwand gebacken…

… eine ungewöhnliche Art Brot zu backen.

Wir waren auf einer wunderschönen Kreuzfahrt über das östliche Mittelmeer und liefen den Hafen Izmir an. Izmir ist eine wunderhübsche kleine, westlich orientierte, quirlige Stadt, die aber auch ganz typisch türkisch ist in vielen Teilen. Man kann dort ursprüngliches einfaches Leben und wundervolle Menschen kennen lernen.

Wir, fünf Damen, waren mit dem Taxi unterwegs. Der Taxifahrer, ein kleiner knuffiger Knuddelbär, der mir gleich sympathisch war. Zuallererst fuhren wir auf den höchsten Gipfel von Izmir zum Alexander Castle. Vorbei an einem in Stein gemeiselten Attatürk. Danach ein kleines Hochplateau. Mitten drin eine Plastikschüssel mit frisch gebackenem dampfenden Brot. Hier musste etwas Interessantes sein! Ich rief schnell „Stop!“ und ließ den Taxifahrer anhalten. Zu dem Damen sagte ich, bitte aussteigen, hier wird Brot gebacken, das schauen wir uns jetzt an.

Mitten auf einer riesigen Wiese machten wir eine Wellblechhütte aus, nach zwei Seiten offen. Darin ein kugelförmiger Betonbrocken, aus dem es rauchte. Wie von mir vermutet, ein Steinbackofen, bei dem das Brot an die Wand geklebt gebacken wird. Hurra, was Interessantes!!

Die brotbackende Türkin war sofort auskunfts- und lächelbereit und freute sich sichtlich über unser Interesse. Sie hatte eine Haremshose an, die zwischen den Knien auseinanderging, eine Wollpullover und ein Kopftuch, das Mund und Augen frei ließ. Sie hatte ihre beiden Töchter dabei, es waren wohl Schulferien. Sie zeigte auf ein rundes Loch im Betonberg und machte verständlich, dass sie gerade Holz nachgelegt hätte und erst wieder backen könne, wenn es herunterbegrannt war. Kein Problem, in der Zwischenzeit trösteten wir uns mit einem Brotfladen, den sie uns freundlich lächelnd schenkte. Er schmeckte köstlich.

Dann der ersehnte Moment. Sie nahm drei Blechplatten und legte sie in den Ofen auf die Glut. Dann nahm Sie ein Handtuch und verwirbelte die Luft im Ofen, wie bei einem Saunagang. Danach zeigte Sie stolz zwei große Waschkörbe, die mit Hefeteigbällchen gefüllt waren. Rechts vom Ofenloch befand sich eine Vertiefung in der eine kleine Metallschale eingelegt war. Darin etwas Öl. Hierzu kam nun Sesam und zwei frische Eier. Das Ganze wurde dann mit den Finger zerklebbert. Sehr geschickt und ohne Glibberskrupel.

Dann ein Teigling in die linke Hand. Mit der Eimasse eingerieben und leicht ausgezogen. In die Mitte ein Loch gedrückt. Dann schnell zwischen beiden Händen auseinandergezogen bis zur passenden Größe und ebenso schnell an die Innenseite des Ofens geklebt. Das ging alles ganz fix. Wir waren inzwischen die besten „Freundinnen“ geworden und hatten uns ständig angelacht in den Arm genommen und Spaß gehabt. Daher ihr Vorschlag, ich sollte doch auch mal ein Brot backen. Aber sie meinte das ginge wohl nicht, ich würde mir ja meine Jacke schmutzig machen, bei den langen Ärmeln. Meine Begeisterung ließ keinen Gedanken an eine dreckige Jacke zu. Ich schob die Ärmel hoch und badete die Hände im Eiergemisch. Sie gab mir einen Rohling und ich begann ihn schön zwischen den Händen auszuziehen, wie ich es bei ihr gesehen hatte und klatschte den Teig dann im Ofen an der Wand. Wunderbar, alles gelungen.

Nun aber Händewaschen an der Wasserflasche und warten bis das Brot fertig gebacken ist.

Irgenwann löst sich das Brot von der Wand und wird dann nochmal kurz auf das Blech gestellt und gegen die Wand gelehnt, um auch von der anderen Seite fertig zu backen.

Mein Brot schmeckte natürlich nochmal so gut wie das Erste und ich teilte es redlich mit allen Damen, die mich angefeuert hatten. Allein der Taxifahrer schaute immer wieder auf die Uhr und schüttelte den Kopf. Wie sollte er sein Programm durchbringen, wenn wir hier oben schon soo lange stehen geblieben waren…

 

Hat euch der Beitrag gefallen? Interessiert Ihr euch für die Kultur und das Essen anderer Länder und für das Reisen überhaupt? Dann besucht uns doch auf unserem Blog ftkreuzfahrtspot.com!

2 comments on “Gastbreitrag: Fladenbrot an der Ofenwand gebacken…

  1. Das schaut nach einer wundervollen Reiseerinnerung und einem leckeren Brot aus… 🙂

    • Wer mit uns unterwegs ist, kann immer etwas besonderes erleben – wir versuchen einfach, „Land und Leute“ zu entdecken. So macht Reisen Spaß!

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